PORCUS SAPIENS -Das Schwein aus der Zukunft- Leseprobe aus Porcus Sapiens -Das Schwein aus der Zukunft-

Kaputt von der nächtlichen Wanderung wollen sich alle gleich zur Ruhe begeben. Doch der vorsichtige Freiwutz besteht darauf, das Buschwerk zu durchsuchen. Er prescht los und ist zehn Sekunden später wieder zurück. Die schwarzen Flecken auf seiner Schwarte sind ergraut, die Borsten stehen ihm zu Berge. Man könnte meinen, Harry hat einen Geist gesehen. Oder etwas ähnliches. Möglicherweise sogar zwei Geister. Atemlos fordert er die Gefährten auf: „Kommt mit, aber leise!" Auf Klauenspitzen folgen sie dem Freiwutz. Dann sehen sie ihn. Ein Fremdling mit einem Aussehen, das sie erschaudern lässt. So etwas hat bisher keiner von ihnen gesehen. Ein Schwein? Zweifellos ein Schwein. Aber mit einem verwahrlosten, dunklen Fell und ungepflegten Borsten. Riesige Hauer ragen ihm seitlich aus dem Rüssel. Beruhigend ist nur die Tatsache, dass der Fremde nicht sonderlich groß ist. So um die 160 Kilo schwer. Auf gar keinen Fall mehr, also deutlich kleiner noch als Harry Freiwutz von Lin-gen. Sprachlos sehen sie ihn an. Der Fremde hat noch nicht bemerkt, dass er angestarrt wird und pennt weiter seelenruhig vor sich hin. „Was ist denn das für ein Ding?", fragt Grete leise. Laut fügt Inka von Kappeln hinzu: „Igittigitt, wie hässlich." Entsetzt reißt Ingo die Augen auf. Sechs Wutzenköpfe glotzen auf ihn herab. 'Wutzenköpfe?' Ingo atmet auf. Die anderen Wutzen sind da. Sie werden mit ihm in den Felsen gehen. Aber so einfach ist das nicht. Zumindest jetzt noch nicht, denn einer der Ankömmlinge ist neugierig und stellt gleich drei Fragen: „Was bist du? Wie heißt du? Was willst du hier?" „Ich bin Ingo von Daaden, der wilde Wutz vom Westerwald. Dort wurde mir der Boden zu heiß. Zweibeinige Jäger waren hinter mir her, in letzter Sekunde ist mir die Flucht gelungen. ..." Inka von Kappeln unterbricht den Wilden: „Du hast dort bestimmt Erdbeerfelder verwüstet. Ja? Dann bist du ein Wildschwein." „Ich bin ein Keiler, ein Wildschweinmann. Es sind nicht nur Erdbeerfelder, nein ..." „Sag' bloß, ihr vergreift euch auch noch an anderen Sachen", unterbricht Grete von Lingen. „Selbstverständlich", entgegnet Ingo, „auch Kartoffeln, Rüben, Mais und andere Feldfrüchte mögen wir. Das ist der Grund, weshalb die Menschen uns verfolgen. So mancher von uns wurde von ihnen gemeuchelt. Wildschweine sind aber auch nützlich. ..." Inka unterbricht den Keiler: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas wie du nützlich sein kann." „Warum nicht?", erwidert Ingo, „uns schmecken auch Engerlinge, Käferlarven, andere Insekten und gelegentlich Mäuse. Dadurch halten wir Schädlinge vom Wald fern. Bei der Suche pflügen wir den Waldboden um und belüften ihn sozusagen. Aber das begreifen diese zweibeinigen Barbaren nicht. Das zu mir. Aber wer seid ihr und was führt euch hierher?" Enno von Nordstrand stellt die Gefährten vor, erläutert, was sie zur Flucht veranlasst hat und warum sie hierher kamen. Am Ende seines Vortrages fragt er, ob Ingo auch eine Frau mitgebracht hat. „Nein", erklärt der wilde Wutz, „mit unseren Bachen kommen wir Keiler nur zur Paarungszeit zusammen. In der übrigen Zeit sind die zu rabiat." Grete mischt sich in die Unterhaltung ein: „Wie geht es denn jetzt weiter. Du bist vor uns hier angekommen. Konntest du schon etwas erfahren?" „Ja", antwortet Ingo, „nach meiner Ankunft lehnte ich mich dort an den Felsen, um mir das Fell zu jucken. Plötzlich stand ich mitten in einer Halle." „Was sagst du da?", ruft Grete. „Und dann? Was dann?", will Inka wissen. „Ich weiß nicht, wie ich da hinein gekommen bin. Auf ..." „Nun lass' dir doch nicht jedes einzelne Wort aus der Nase ziehen", drängt Elin. „Auf jeden Fall war ich in der Halle. Von einem Bildschirm aus sagte mir ein netter Alter, ich soll auf euch warten. Erst dann würde er uns aufklären. Ich sehe, seid ihr müde vom langen Nachtmarsch und schlage vor, bis Mittag zu schlafen. Dann ist es immer noch früh genug, um in den Berg zu gehen." Enno beginnt Wachen einzuteilen, aber Ingo meint: „Das ist nicht nötig. Der Alte hat mir versichert, dass diese Gegend sicher ist."
PDF-Datei, 60 Seiten incl. Titelei und 3 Leerseiten

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